Chinesische Medizin - Judith von der Schirpkotterdellen
Chinesische Medizin    
Kontakt
Chinesische Medizin - Judith von der Schirpkotterdellen
  Jahreszeiten aus Sicht der chinesischen Medizin  
  Teil 1: Der Herbst     Teil 2: Der Winter     Teil 3: Der Frühling     Teil 4: Der Sommer  
  Nachdem auch die letzten Blätter gefallen sind und die Tage immer kürzer werden, befinden wir uns im Winter. Eigentlich eine Zeit der Einkehr, der Besinnung und der Innenschau. Das Yang, also der aktive und dynamische Teil unsere Energie hat sich nach Innen zurück gezogen, die Natur steht äußerlich still und ist durch Kälte erstarrt um wieder neue Kräfte für das kommende Frühjahr zu sammeln.  
  Winter  
  Im menschlichen Energiesystem verhält es sich genauso. Der Winter ist die Zeit auszuruhen, sich um das eigene Yin, die substantiellen Kräfte, zu kümmern, und seine Energien aufzubauen. Leider ist jedoch in der westlichen Zivilisation die dunkle Jahreszeit in eine Streß-hochzeit verwandelt worden; Inventuren, Jahresabschlüsse, Vorweihnachtsfieber und Geschenkekaufwahn sind vorherrschend. Kaum mehr Zeit, geruhsam zu sitzen und tiefere Kontakte zu pflegen, zu backen oder zu singen oder sich gar vorweihnachtlichen Geschichten zu widmen.

Parallel zum abnehmenden Licht draußen, zünden wir in unseren Wohnungen, in unserer Innenwelt, immer mehr Lichter an ,um dann am heiligen Abend das Fest des Lichtes und der Liebe zu feiern.

Danach werden die Tage langsam wieder länger und ganz langsam beginnt auch das Yang sich wieder zu erheben, und Kraft für etwas Neues zu liefern.
Sobald sich der Mensch harmonisch in den Zyklus der Natur und des Jahreslaufes integriert, kann auch das Qi harmonischer fließen, der Mensch fühlt sich kraftvoller und klarer, er befindet sich eben im Fluss, in dem alles sein Zeit hat.

Von den Elementen her wird dem Winter das Wasser zugeordnet, dem tiefen, unergründlichen Element mit ungeheure Kraft und Zielstrebigkeit. Weiterhin gehört die Farbe schwarz (auch blau) zum Wasserelement, eine Farbe die alle Farben vereint, und doch keine eigene ist. Als Emotion gehört die Angst zum Wasser und auch das Vertrauen findet hier seinen Platz, was ja nur die zwei Seiten desselben Aspektes sind.
Vertrauen und Angst sind mit die tiefsten Emotionen, die häufig unser gesamtes Leben mit all den Vermeidungs-strategien bestimmen. Der Winter ist die Zeit, in der sie uns gern besuchen und um Aufmerksamkeit bitten.
Auch die Nieren gehören zum Wasser. Tief in unserem Innern bewahren sie unser kostbarstes Gut, das was die Chinesen die Essenz nennen. Jene Energie , die für unsere Lebensspanne und grundsätzliche Kraft verantwortlich ist, und mit der wir durch Exzesse , Schlafentzug, Alkoholmißbrauch, oder eben einen Lebenswandel der" an die Nieren geht" massiv Raubbau betreiben. Die Folge ist ein buntes Feld an Erkrankungen, bei denn viele Menschen einfach zutiefst erschöpft sind.

Konkreter umgesetzt für den Alltag bedeutet das für ausreichend Schlaf zu sorgen, ruhig mal eine Weile recht früh schlafen zu gehen, um wieder aufzutanken, was der aktive Sommer verbraucht hat.

Die Ernährung kann in den Wintermonaten etwas schwerer und deftiger sein, und sollte vor allem wärmenden Charakter haben. Das heißt viel Rohkost und Milchprodukte sind nicht zu empfehlen, dafür aber Suppen und nahrhafte Eintöpfe. Junk-food und Essen aus der Mikrowelle enthält aus chinesischer Sicht kein Qi, also keine Energie mehr, so dass davon abzuraten ist. Einheimisches Gemüse, Eingemachtes und Getreide haben eine harmonisierendere Wirkung als importierte Obstsorten, die häufig auskühlen. So ist auch die chinesische Medizin nicht für die so beliebten Orangenkuren zu Weihnachten.

Insgesamt aber gilt, daß der chinesische Diätetik ein großes Spektrum von Möglichkeiten zur Vorbeugung von Krankheiten zur Verfügung steht, und Ihnen auch entgegen zu wirken. Allerdings sollten solche Empfehlungen von TCM Therapeuten ausgesprochen werden, da individuelle Störungen auch individueller Beratung bedürfen.

Die harmonische Atmung, vor allem in Verbindung mit Bewegung, hat bei den Chinesen schon immer große Bedeutung gehabt. So ist China Geburtsort von Tai Qi und Qi Gong, und vielen Kampfkünsten, aber auch Techniken wie Yoga und verschiedene Meditationsformen gehören in diese Kategorie.
Menschen, die sich auf solche Übungen eingelassen haben, werden bestätigen, dass sich ihre Lebensqualität um einiges verbessert hat, und oft aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Sie sind häufig die Quelle von Entspannung und Freude, die kleine Oase im Alltagsleben in dem größere Entspannungszeiten manchmal praktisch nicht umsetzbar sind.
Es gäbe noch viel, viel mehr zu sagen, aber vielleicht sind Sie jetzt ein bißchen inspiriert, der Natur mal tiefer ins Gesicht zu schauen und sich ihr anzuschließen. Wenn sie mehr wissen wollen, so fragen sie eine/n TCM Therapeutin/en in Ihrer Nähe (www.agtcm.de). Und fragen sie ruhig nach, denn nicht jede/r der Akupunktur anbietet, praktiziert chinesische Medizin.
In diesem Sinne einen erholsamen Winter.
 
  Judith von der Schirpkotterdellen - Chinesische Medizin - Karlsruhe